Folkworld
October, 2003

review of Tønder Festival

Unerwartetes Singer/Songwriter-Treffen in Tønder Tonder Festival, Samstag Abend, Kulturhaus Der aertztlich verordnete Ausfall von Eddi Reader stellt sich an diesem Abend  als ueberraschend positiv heraus. Denn anstatt nur sie und noch zwei andere  Kuenstler zu praesentieren wurde der Abend kurzerhand zu einem Circle fast  aller auf dem Festival anwesenden Singer & Songwriter umfunktioniert. Was auf dem  Tonder-Festival fuer Interessierte in dieser Musikrichtung geboten wird laesst  sich an solch einem Line-Up ablesen.  J.P. Cormier, Dave Gunning, David Francey, Chuck Brodsky, Boo Herwerdine,  Allan Taylor, Ron Kavana, Brian McNeill und John Sheahan von den Dubliner war  zufaellig auch zu Besuch und wurde kurzerhand mit auf die Buehne gebracht.  Unterstuetzen ließen sich die Neun dann noch von einigen Instrumentalisten welche  auch noch den einen oder anderen Song beisteuerten.  Ja und anstatt zu entscheiden wer denn nun Erster einer solchen Gruppe sein  soll, kommen einfach Alle zusammen auf die Buehne. Wie locker es bereits in der  Garderobe zugegangen sein muss beweist die Tatsache dass Alle die Gelegenheit  nutzten und den vorhandenen Fundus an Peruecken und Kostuemen zu pluendern.  Allan sogar im TueTue.  Musikalisch eroeffnet Ron Kavana den Abend mit einem Traditional (Titel  leider unbekannt), das im Chorus allen Anderen einschließlich dem Publikum  Gelegenheit bietet mitzusingen. Leider wird das Songmotto dann erst einmal durch ein  10 Minuetiges Geigensolo von J.P. Cormier unterbrochen. Ausgeglichen von David  Francey mit seinem wunderschoenen Song "Borderline". Man kann sich vorstellen  das es fast unmoeglich ist einen solchen Abend minutioes festzuhalten. Einige  Hoehepunkte seien aber doch hervorgehoben. Wie z. B. Chuck Brodsky´s "9.30  Pint" ein Song der Chuck´s Ueberraschung beschreibt als er feststellen musste  dass im Gegensatz zu den USA, die Pubs in Ireland bereits am Vormittag oeffnen;  was den Song aber so besonders machte war die Begeisterung mit der alle auf der  Buehne Anwesenden mitmachten und das hatte nichts mit dem Thema des Songs zu  tun, es riss das Publikum am Ende regelrecht zum Applaudieren auf die Beine.  Vor der Pause fiel noch Brian McNeill mit einer sehr schoenen Version von  "Horses for Courses" auf und Ron Kavana mit einem seiner Songs (Titel wieder  unbekannt, der sagt seine Songs nie an). Als Bonbon zu fast jedem Song gibt es  immer wieder Geigen und Guitarrensolos. Wie professionell die Anwesenden sind  erkennt man aber auch daran dass bei den entsprechenden Songs auch mal totale  "instrumentale Stille" herrscht wenn zusaetzliche Instrumente nicht angebracht  sind.  Den zweiten Teil eroeffnet John Sheahan mit einem Gedicht gefolgt von einem  klassischen Geigenstueck. Boo Hewerdine der jetzt fuer Chuck Brodsky auf der  Buehne sitzt laesst mit "Bell, Book And Candle" letztlich Eddi Reader doch  anwesend sein. Bei Allan Taylors Song "Kerouac´s Dream" weben die Instrumente aller  einen wunderschoenen dichten Klangteppich, der trotz allem nie chaotisch wird  und Raum für eine beinahe endlose Zahl Guitarensolos laesst - grandios. David  Francey ist der Naechste der das Publikum mit zwei Songs vom Hocker reisst,  schlicht und wenig spektakulaer aber gegen Ende hat man aber den Wunsch "Oh,  bitte lass es noch nicht aus sein".  Richtig weinselig wird es dann als Ron Kavanas "New Tennesse Waltz" (den hat  er angesagt) von Allan Taylor in das Original übergeleitet wird, untermalt von  wunderschoenen Fiddlesaetzen gespielt von Brian McNeill, John Sheahan und  Geoff Somers. Die Geige von Brian McNeill ist Thema eines weiteren Songs "The Dev ils Only Doughter", eine Liebeserklaerung an Sie, mit soviel Gefuehl von Brian  und nur im Chorus von Ron begleitet, dargeboten dass man das Gefuehl hatte  der ganze Saal haelt die Luft an und waere der Song nicht in ein Geigensolo  gespielt mit seiner "Geliebten Fiddle" uebergegangen der Applaus fuer diesen Song  haette in wohl vom Stuhl geblasen.  Zwischen diesen "gestandenen" Maenner sitzt ein junger Bursche sicher noch  keine 30 Jahre alt und wenn J.P. Cormier "6 feet 4 and built like a firetruck"  zu ihm sagt er solle singen - ja dann singt Dave Cunning eben. "The New  Highway" und wie er singt, wo nimmt jemand mit seinen zwanzigund Jahren die  Lebenserfahrung her einen Song zu schreiben der rings um Ihn nur noch Muender offen  stehen laesst. J.P. folgt Ihm auf der "Progress-Avennue" und mit diesem Song  beweist er dass er nicht nur ein begnadeter Fiddle und Guitarrenspieler ist sonder  auch sein Handwerk als Songschreiber versteht.  Mit einem Song von Ron Kavana (nicht angesagt) geht der eigentliche Abend zu  Ende. Tonder waere nicht Tonder wenn ein solcher Abend nicht mit standing  ovations belohnt wuerde und die zwei Zugaben die das Publikum dafuer erhaelt und  lauthals bis in die letzte Reihe mitsingt, machen aus dem ganzen Kulturhaus  eine große Buehne mit vielen Singern und ein paar Songwritern. Trotz heftigem  Einspruchs (nicht Ernst gemeint) des Saalbeauftragten laesst sich das Publikum  nicht von einer dritten Zugabe abbringen - "Will Ye Go Lassie" und der  gemeinsame Chorus hebt dann beinahe das Dach an. Waehrend der Refrain noch im Saal  verklingt verlassen die Kuenstler mit einem Strahlen auf dem Gesicht, endgueltig  die Buehne.  Leider lassen auch mehr als 3 Stunden Programm bei ueber 10 Kuenstlern auf  der Buehne Luecken und nur einen kurzen Eindruck vom Einzelnen. Eines ist aber  klar geworden an diesem Abend dass jeder der aufgetretenen Kuenstler den Besuch  eines Solokonzertes wert ist. Abende wie dieser machen die ganzen  Anstrengungen die ein Festival so mit sich bringt zu einem leicht zu ertragenden Uebel.  Schade nur dass man nicht mehr als die eigenen Erinnerungen zum mitnehmen hat  und das Worte das Gluecksgefuehl nach so einem Abend nicht beschreiben koennen.